Tierra sín mal

Colina del sol

Ich bin Doris und lebe mit meinem Mann Theo und...

....unserem Deutsch Drahthaar Gustl am Niederrhein, an der niederländischen Grenze. Wir sind zwar nicht mehr ganz frisch, dennoch wollen wir das Abenteuer, nach Paraguay auszuwandern, wagen.

Wieso Auswandern? Wird sich mancher fragen. Deutschland ist doch ein Land in dem man gut und gerne leben kann.

Na klar, so ganz falsch ist oder war es ja auch bisher nicht. Es ist ein ausgesprochen schönes, sicheres und soziales Land und eigentlich geht es mir hier auch recht gut. Ich bin kerngesund, habe einen lieben Mann und 2 wunderbare erwachsene Kinder und habe mein Auskommen.

Was fehlt also?

Besseres Wetter?

Die Gerechtigkeit?

Die Herausforderung?

Und wieso gerade Paraguay?

Also, ganz so einfach ist es nun nicht. Ich weiß nicht ob ich die richtigen Worte finde und ich das auch so erklären kann, wie ich es sehe oder auch empfinde.

Ich versuche es einfach mal.

Nun, Deutschland ist meine Heimat und hier war ich seit 1962 zu Hause. Mir ging es eigentlich immer sehr gut, mir fehlte es an nichts und ich fühlte mich in meiner Umgebung auch immer sehr wohl. Das Einzige was mich immer schon störte, war der lange, graue und usselige Winter. Wir, Theo und ich, sind innerhalb Deutschlands sehr viel mit unserem Gustl gereist und haben alle 4 Ecken unseres Landes gesehen und jedes Mal waren wir von der Schönheit unseres Landes begeistert.

Doch aus meiner Sicht hat sich die deutsche Gesellschaft und Politik so sehr verändert, dass ich das Gefühl habe, hier nicht mehr leben zu können. Mir ist es hier nicht nur räumlich verdammt eng geworden. Nein, mir scheint, man möchte uns in unserem eigenen Land nicht mehr haben. Ich empfinde Deutschland nicht mehr als sozial und schon längst nicht mehr als sicher.

Es waren Jahrzehnte der Genehmigungen, Bescheide, Verbote und Gesetze, mit GEZ, TÜV, ASU und Schornsteinfegerzwang, Dieselfahrverbote, ständige Gas.- Strom,- und Benzinerhöhungen. Es wird geregelt und reglementiert.

Die Menschen dieser Gesellschaft sind größtenteils sehr egoistisch geworden und jagen ununterbrochen dem schnöden Mammon und der Ablenkung hinterher. Sie erleiden Burnout weil sie dem immensen Stress und Druck nicht mehr aushalten. Ich möchte nicht mehr mitmachen. Ich möchte nicht mehr konsumieren und Steuern oder Gebühren hier und/oder da bezahlen müssen. Ich möchte diesem Hamsterrad entfliehen. Es ist mir zu eintönig und zu teuer. Die angebliche Sicherheit müssen die Bürger, mit stetig wachsender Kontrolle, teuer bezahlen. Mir ist der Preis zu hoch und diese imaginäre Sicherheit will ich nicht mehr.

Die Politik bzw. die Politiker sitzen auf der Couch alle links und dann ist es nur logisch, dass alles was sich außerdem auf der Couch niederlässt, rechts sitzt. Ich möchte diese Couch verlassen. Sie ist mir zu schmutzig.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Die Entscheidung zu gehen, hat uns Deutschland verdammt leicht gemacht!

Wir haben Paraguay einige male bereist und waren vom ersten Tag an unsterblich verliebt. Paraguay ist noch ein sehr ursprüngliches Land. Hier kann man noch von dem was man auf seinem eigenen Land selbst erwirtschaftet sehr gut leben. Die Paraguayer sind in erster Linie Bauern und was sie vor allem besitzen ist viel Land. Im Süden des Landes ist es sehr wasserreich und auch sehr fruchtbar und vor allem kaum Winter. Vor allen Dingen kein Winter, so wie wir ihn von Deutschland kennen.

Wenn man Paraguay bereist, zieht einen das Land mit seiner üppigen Natur, dem unendlichen und saftigen Grün der Flora, die immense Vielfalt der Fauna und nicht zuletzt die hilfsbereiten, freundlichen und herzlichen Bewohner in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los. Paraguay kann süchtig machen ;-)

Paraguay ist ein Binnenstaat und besitzt keine nennenswerten Bodenschätze und ist zudem noch sehr frei. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich, leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und werden noch nicht dermaßen reglementiert, wie es in Deutschland der Fall ist. Außerdem ist die Währung (der Guarani) im Verhältnis der anderen südamerikanischen Staaten außerordentlich stabil. Die Wirtschaft wächst und gedeiht, die Preise sind moderat und im Verhältnis zu Deutschland zahlt man kaum Steuern. Man nennt Paraguay auch die südamerikanische Schweiz.

Aber das Beste: hier geht alles ausgesprochen tranquilo zu.

Oder anders ausgedrückt: Wir haben die Uhren, die Paraguayer haben die Zeit.

Man sagt, hier leben die glücklichsten Menschen der Welt. Ich habe es erlebt, ich weilte unter ihnen und werde sehr bald, für immer, mitten unter ihnen leben dürfen. Mitten unter den glücklichsten Menschen der Welt.

Also, der krasse Gegensatz zu Deutschland.


Hier in Paraguay, auf unserer Granja, möchten wir nun die Herausforderung auf ein neues Leben annehmen.

 

Außerdem haben wir beiden einen Traum, einen Traum aus Kindertagen.

Theo wollte schon immer gerne Bienen haben, sie kennen lernen, sich mit ihnen beschäftigen und schließlich auch züchten. Hier, in Deutschland, fehlte ihm aus beruflichen Gründen schlichtweg die Zeit und die Muse. Aber in Paraguay möchte er sich diesen Kindheitstraum endlich erfüllen. Hier wird er die nötige Zeit und Ruhe für die Bienen haben.

Ich wollte schon immer Bäuerin werden. Mit fünf Jahren wollte ich schon den 35 jährigen Sohn der Bäuerin heiraten, bei der meine Mutter und ich insgesamt 12 Jahre unsere Ferien verbrachten. Ich wollte, bis ich ca. 14 Jahre alt war, keinen anderen Urlaub machen, als im Schwarzwald auf *unserem* Bauernhof. Da ich ja nun kein Bauernkind bin und ich später auch keinen Bauer geheiratet habe, möchte ich mir jetzt endlich diesen Kindheitstraum in Paraguay verwirklichen. Ganz nah an der Natur und bei den Tieren.

 

Folgender schlaue Satz gab mir eines Tages doch sehr zu denken und befeuerte mich:

 

Freiheit heißt nicht, dass man tun kann, was man will, sondern dass man nicht tun muss, was man nicht will.

Das hatte mal Jaen-Jacques Rousseau sehr weise erkannt.

 

Und diese Freiheit nehmen wir uns jetzt ganz frech mit unseren mehr als 50 Jahren heraus.