Tierra sín mal

Colina del sol

Die Geschichte Paraguays

So wie alle Indianer Nord- und Südamerikas, sind auch die in Paraguay lebenden höchstwahrscheinlich in zwei Wellen als Mammut Jäger über die trocken gefallene Behringstraße und Alaska eingewandert. Das war einmal vor 60.000-100.000 Jahren der Fall und danach nochmal vor 30.000-40.000 Jahren. Erst vor 10.000-20.000 Jahren zogen einige nach Südamerika weiter. Wahrscheinlich seit der Steinzeit lebten die Tupi-Guarani östlich des Río Paraguay bis an die Antlantikküste, wo auch heute noch vereinzelt ihre Nachkommen anzutreffen sind. Die meisten Guaraní wurden in meheren Wellen freiwilliger und erzwungener Vermischung zu Mestizen, aus denen heute der Großteil der paraguayischen Bevölkerung besteht. Westlich des Flusses, im Gran Chaco, lebten die Aruak, Guaicurú, Mataco-Mataguayo, Chamacoco, Angaite und Lengua.

Schon vor 3.000 Jahren war das Land und die Stadt Cattigara bekannt, welches an der Westküste Südamerikas (Peru oder Chile) gelegen war. Um das Jahr 1.000 herum begannen Wikinger ein riesiges Reich in Südamerika aufzubauen. Es handelte sich hierbei aber eher um die Unternehmung eines einzelnen Jarls mit seinen Gefolgsleuten, der wohl in Europa keine Chance mehr sah. Da diese Gruppe erst nach 230 Jahren wieder Kontakt mit Europa aufnahm, hat es sich hier nicht um eine Wikinger-Eroberung gehandelt, sondern um die Taten einer kleinen Gruppe "Aussteiger". Paraguay gehörte zwar nicht zum Kerngebiet, wurde jedoch von wichtigen Wegen zum Atlantik durchzogen, auf denen sie Handel mit Europa betrieben.

Die Zeit von 1515 bis 1588 ist die Zeit der Entdeckung und Eroberung durch die Spanier. Damals bezeichnete man als Paraguay alle Ländereien, die man über den Rio de La Plata erreichen konnte. Das so bezeichnete Gebiet umfaßte also zusätzlich auch Teile des heutigen Argentinien, Brasilien, Bolivien und das gesamte Uruguay. 1559 wurde das Gebiet dem spanischen Vizekönigreich Peru unterstellt mit Verwaltung in Charcas. Unmittelbar nach Ankunft der Spanier wurde auch das Encomienda-System eingeführt, welches auf den ersten Blick sehr gerecht erscheint, bei näherem Hinschauen aber grausamer als Sklaverei ist. Einem Spanier wurden hier neben Ländereien auch alle darauf lebenden Indios zur Verwaltung übergeben. Er mußte diese für ihre Arbeit entlohnen, durfte sie aber zur Arbeit zwingen. Eine Bestrafung war nur vorgesehen, wenn sich die Indios der Taufe widersetzten. Da die Indios aber keinen Wert darstellten, im Gegensatz zu Sklaven, die gekauft werden mußten, endete dies fast immer mit dem Tod der Indios. Eine Reihe von Indio freundlichen Gesetzen der spanischen Krone konnte hieran nichts ändern, was zum Teil an den langen Wegen, oft aber an der Einstellung lag, daß die Übertretung der Gesetze faktisch nicht verfolgt wurde. Prinzipiell bestand das Encomienda-System bis zur Unabhängigkeit weiter, wurde aber regional unterschiedlich gehandhabt.

Von 1588 bis 1767 reicht die interessante Zeit der sogenannten Jesuiten-Reduktionen (Die Jesuiten 1588 - 1767), eines genialen Schachzuges, um die Indianer vor der Versklavung zu bewahren. Das System der Jesuiten war aber so erfolgreich, daß es den Neid der Spanier und Portugiesen entfachte und 1767 gewaltsam aufgelöst wurde.

Im Jahr 1776 wurde die ganze La Plata Region zu einem eigenständigen spanischen Vizekönigreich La Plata. Die darauf folgenden Jahre bis zur Unabhängigkeitserklärung Paraguays am 14. Mai 1811 waren durch spanische Verwaltungsprobleme und Streitigkeiten geprägt. Erst mit der Unabhängigkeit begann Paraguay annähernd in den heutigen Grenzen zu erscheinen, mußte diese jedoch in der Folgezeit häufiger korrigieren. Mit der Erklärung der Unabhängigkeit waren aber noch lange nicht alle Probleme gelöst, denn diese wird erst 1842 von Spanien und Argentinien anerkannt.

Riesiger Völkermord in Paraguay

Francisco Solano López

Carlos Antonio Lopez

Im Dezember 1864 begann ein Feldzug, der sich über fünf Jahre hinziehen sollte. An seinem Ende war fast ein ganzes Staatsvolk ausgerottet. Dieser in Europa nahezu unbekannte „Krieg der Tripel-Allianz" ging als entsetzlicher Völkermord in die Geschichte ein.

Als Carlos Antonio Lopez im September 1862 starb, war Paraguay das reichste und am besten organisierte Land Südamerikas. Dieser höchst moderne Diktator hatte zwei Jahrzehnte mit eiserner Hand regiert. Resultat waren eine prosperierende Wirtschaft, ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz, üppig gefüllte Kassen und schlagkräftige Armeen.

Wie in einer Monarchie vererbte er sein Präsidentenamt an den Sohn Francisco Solano Lopez. 35 Jahre alt, in Frankreich militärisch ausgebildet und mit leichtem Hang zum Größenwahn, wollte Lopez jr. sein kleines Land zur beherrschenden Macht in Lateinamerika machen.

Als Hauptfeind bot sich das mächtige Kaiserreich Brasilien an. Um diesen Gegner wirksam angreifen zu können, mußte man entweder durch den Dschungel marschieren oder ihn durch das Territorium Argentiniens umgehen. Lopez war tollkühn genug, beide Varianten zu wählen.

Am 14. Dezember 1864 sprach der Diktator von Paraguay, Francisco Solano Lopez zu seinen Soldaten: „Der Kaiser von Brasilien, der unseren Mut und unseren Enthusiasmus nicht kennt, hat uns einen Krieg aufgezwungen. Unsere Ehre und unsere Würde gebieten es uns, diese Herausforderung anzunehmen."

Die Ausgangsbedingungen sind günstig. Paraguays Armee (80.000 Mann) ist nach preußischem Vorbild gedrillt, das Land verfügt über eine eigene Rüstungsindustrie, ist also nicht von Waffenlieferungen Dritter abhängig. Im Nachbarland Argentinien kämpfen zwei politische Parteien gewaltsam um die Macht, der Staat steht kurz vor dem territorialen Zerfall. Lopez riskiert den Zweifrontenkrieg. Kurz zuvor bestellt er in Paris eine Kopie der Kaiserkrone Napoleons.

Pedro von Brasilien will den Störenfried liquidieren

Anfang 1865 erobern paraguayische Truppen einige Dschungelfestungen im Westen Brasiliens. Doch die Hauptstreitmacht unter zwei völlig unfähigen Generalen erleidet im Mai eine schwere Niederlage. Lopez läßt die beiden Kommandeure hinrichten, ernennt sich selbst zum Marschall und übernimmt den Oberbefehl. Doch zum militärischen Pech gesellt sich politisches.

In Argentinien hat General Bartolomé Mitre den Bürgerkrieg gewonnen und kann Truppen für die Front freimachen; in Uruguay gelangt eine Lopezfeindliche Partei ans Ruder. Die drei Länder schließen 1865 eine „Tripel-Allianz“. Ihr Führer, Kaiser Pedro II. von Brasilien, ist fest entschlossen, den Störenfried an seiner Westgrenze zu liquidieren.

Im Januar 1866 überschreiten die Verbündeten Paraguays Grenze. Bei Paso de Patria erleiden Lopez’ Truppen am 24. Mai 1866 eine weitere schwere Schlappe. Daraufhin verschanzt er sich in drei Festungen am Zusammenfluss von Rio Paraná und Rio Paraguay. Der Feind kämpft sich mühsam flussaufwärts, um die Hauptstadt Asunción zu erobern, seine Flotte stößt aber immer wieder auf Sperren aus Balken und Steinen.

Völlig überraschend machen die Paraguayer am 22. September einen Ausfall. In dieser Schlacht von Curupaity erleiden die Truppen Brasiliens Verluste von 9000 Mann. Durch Hunger und Krankheiten geschwächt, können Lopez’ Soldaten ihren Sieg nicht ausnutzen.

Eine Armee wie ein Bettlerhaufen

Anfang November 1867 ist Lopez in seiner Hauptfestung Humaita hoffnungslos eingeschlossen. Brasilianische Panzerschiffe durchbrechen die letzte Flussbarriere und dampfen Richtung Asunción. Der Marschall, inzwischen an der Grenze zum Wahnsinn, befiehlt die Hauptstadt bis auf die Grundmauern niederzubrennen. Ihre Bevölkerung muss in den Dschungel fliehen, wo die meisten Seuchen oder wilden Tieren zum Opfer fallen. Brasiliens Kriegsschiffe werden von Indianerkanus aus angegriffen, weil die paraguayische Flotte längst vernichtet ist.

Mit den Resten seiner Armee (etwa 10.000 Mann) verlässt Lopez im Dezember 1867 Humaita, wird aber entdeckt und in der Schlacht bei Ypacarai am 25. Dezember vernichtend geschlagen. Er zieht sich in den Nordosten des Landes zurück und rekrutiert die letzten Kämpfer.

Paraguays Armee gleicht mittlerweile einem Bettlerhaufen. Manche Soldaten tragen als einziges Kleidungsstück einen Lendenschurz und kämpfen mit angespitzten Holzstöcken. Die meisten sind zum Skelett abgemagert. Doch sie folgen ihrem Führer fanatisch, weil sie an ihre Rolle als auserwählte Nation glauben. Die Brasilianer, in deren Reihen auch Schwarze kämpfen, werden von ihnen verächtlich „Los Apas“ (die Affen) genannt.

Militärisch ist der Krieg längst entschieden. Aber die Soldaten der Tripel-Allianz werden ständig aus dem Hinterhalt überfallen, erleiden jeden Tag neue Verluste. Schließlich sind die Männer so erbittert, dass sie jeden Paraguayer, der ihnen über den Weg läuft, massakrieren. Kriegsgefangene werden schon seit Jahren nicht mehr gemacht.

Der Diktator verfettet - und lässt seine Mutter auspeitschen

Lopez ist nun wahnsinnig geworden. Er lässt seine Mutter vor versammelter Mannschaft auspeitschen, vergeudet letzte Metallreserven, um immer neue Orden anzufertigen. Während seine Soldaten vor Hunger sterben, frisst er die letzten Vorräte auf und wird immer dicker. Am 1. März 1870 wird er in seinem Schlupfwinkel bei Cerro Corá aufgespürt. Zu Pferd kann der unförmige Diktator nicht mehr fliehen, ein brasilianischer Lanzenreiter durchbohrt ihn.

Nach mehr als fünf Jahren Krieg ist Paraguay vernichtet, die Hälfte seines Territoriums fällt an die Nachbarländer. Von einer etwa 1,2 Millionen zählenden Bevölkerung sind nur noch 220.000 am Leben, darunter 29.000 Männer.

Francisco Solano Lopez wird bis heute von vielen Paraguayern als großer Nationalheld verehrt. Als vor zehn Jahren neue Geldscheine ausgegeben wurden, schmückte sein Konterfei die hochwertigste Banknote.

Der Chacokrieg von 1932 bis 1935 gegen Bolivien

Eusebio Ayala

Der Chacokrieg gilt als eine der blutigsten Auseinandersetzungen des 20.Jahrhunderts. Sein Verlauf ist extrem verworren und er wurde oft durch Entscheidungen, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellten, verlängert. Trotz deutlicher Unterlegenheit konnte der Krieg von Paraguay gewonnen werden. In Bolivien wird dieser Krieg noch heute als "La guerra estúpida" "Der dumme Krieg" bezeichnet.

Der Chacokrieg in der Zusammenfassung:
Schon über die Entstehung des Kriegsgrundes gibt es unterschiedliche Theorien, denn es ging hier um ein für beide Seiten eher nutzloses Territorium. Der gern angeführte Grund des Meerzugangs für Bolivien über den Rio Paraguay oder den Rio Pilcomayo ist durch die Tatsache, daß hier in jedem Fall eine Passage durch Argentinien auf dem Verhandlungswege erreicht werden mußte, mindestens genauso fragwürdig, wie die sog. Ölthese. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, weshalb Paraguay einem Freihafen am Ende des schiffbaren Bereichs des Rio Paraguay hätte wiedersprechen sollen. Die Ölthese besagt, das die Firma Standard Oil of New Jersey, die in Bolivien bereits Ölfelder betrieb, Druck auf die bolivianische Regierung ausgeübt habe und andererseits Royal Dutch Shell auf Paraguay, da im Chaco weitere Ölvorkommen vermutet wurden.
Fest steht jedenfalls, daß beide Länder den unhaltbaren Zustand der unklaren Grenzen in diesem Gebiet beenden wollten. Einen Kriegsbeginn kann man nicht genau festlegen, da es immer wieder kleine Scharmützel gegeben hat, die danach in Verhandlungen mit dem Austausch der eroberten Gebiete endeten. Im Jahr 1932 begannen aber beide Seiten mehr und mehr, mobil zu machen und es kam zu ausgewachsenen kriegerischen Auseinandersetzungen. Während des ganzen Krieges hatte Paraguay als armes Land mit wenigen wehrfähigen Männern die deutlich schlechteren Karten, aber aufgrund der besseren Motivation der Soldaten und besseren Ausbildung der Kommandanten doch immer wieder kriegsentscheidende Vorteile. Bolivien mußte sich die Hilfe eines deutschen Generals holen, da die eigenen Kommandanten schlichtweg unfähig waren. Immer wieder kam es zu Kämpfen, bei denen eine deutliche Übermacht der Bolivianer von den Paraguayern geschlagen wurde. Und es kam auch immer wieder zu Verhandlungen, jedoch ohne Erfolg.
In den letzten Kriegsjahren verfügten die Paraguayer über soviel erbeutetes Kriegsgerät, daß die Männer fehlten, es zu bedienen, da es immer wieder zu Schlachten kam, in denen die Bolivianer davonlaufen mußten. Auch durch mangelnden Nachschub sind tausende verhungernder Bolivianer in paraguayische Gefangenschaft geraten.
Zwischem dem endgültigen Waffenstillstand am 14. Juni 1935 und dem Friedensvertrag am 21. Juli 1938 mußten nocheinmal drei Jahre vergehen, da es in beiden Ländern zu mehreren Putschen gekommen war. Erst am 28. April 2009 wurden die letzten kleineren Grenzstreitigkeiten durch einen Vertrag geregelt.
Der Chacokrieg hat in Bolivien zu erheblichen Reformen geführt und in Paraguay das durch den Tripel-Allianz-Krieg schwer geschwächte Selbstvertrauen wieder aufgebaut. Es war bis heute die letzte kriegerische Auseinandersetzung Paraguays mit einem anderen Land.

1940 kam es zur ersten Militärdiktatur, 1947 zu einem Bürgerkrieg. Erst 1948 kam das Land kurz zur Ruhe und erhielt eine präsidiale Verfassung. 1954 übernahm der deutschstämmige Alfredo Stroessner die Macht mit einer erneuten Militärdiktatur, die immerhin 35 Jahre andauerte und das Land zu Wohlstand und äußerer Ruhe brachte. Im Inneren wurden die Gegner aber rigoros verfolgt. Beendet wurde diese Ära durch einen Militärputsch, der aber Stroessner das Altersexil in Brasilien ermöglichte.

Alfredo Stroessner

Alfredo Stroesser

Alfredo Stroessner Matiauda (auch Strössner oder Strößner; * 3. November 1912 in Encarnación; † 16. August 2006 in Brasília, Brasilien) war ein paraguayischer General, Politiker und Diktaktor. 35 Jahre lang, vom 15. August 1954 bis 3. Februar 1989, war er Präsident von Paraguay. Vorher war er General und Oberbefehlshaber der Streitkräfte Paraguays.

Stroessners Vater Hugo war 1898 vom bayerischen Hof an der Saale nach Paraguay ausgewandert, wo er die Paraguayerin Heriberta Matiauda heiratete, mit der er drei Kinder hatte.

Im März 1929 wurde Alfredo Stroessner im Alter von 16 Jahren als Kadett in der Militärakademie von Asunción angenommen und zwei Jahre später zum Leutnant ernannt. Ab 1932 nahm er am Chacokrieg zwischen Bolivien und Paraguay teil und erreichte 1948 den Rang eines Brigadegenerals. 1953 wurde er Oberbefehlshaber der Armee und General.

Durch einen Militärputsch entmachtete Stroessner am 6. Mai 1954 den amtierenden Präsidenten Federico Chaves. Daraufhin wurde Tomás Romero Pereira als Übergangspräsident eingesetzt. Stroessner wurde am 11. Juli 1954 als einziger Kandidat vom Kongress Paraguays per Akklamation zum Staatspräsidenten gewählt. Am 15. August 1954 übergab Romero sein Amt an Stroessner, der es acht Amtszeiten lang innehatte. Nach Fidel Castro war seine Regierungszeit mit 35 Jahren die zweitlängste in Lateinamerika. Er regierte autoritär und alle wichtigen Positionen besetzte er mit seinen Parteigängern von der Colorado-Partei. Erst im April 2008 unterlag diese bei den Präsidentschaftswahlen einem Mitte-Links-Bündnis. Außenpolitisch positionierte sich Stroessner vor allem als strikter Antikommunist. Dieses brachte ihm die finanzielle Unterstützung durch die USA ein. Den USA stattete Stroessner 1968 einen Staatsbesuch ab. Angeblich soll Stroessner den USA auch angeboten haben, paraguayische Truppen nach Vietnam zu schicken, um die USA im Vietnamkrieg zu unterstützen. Außerdem bot er Hilfe bei der Invasion der Dominikanischen Republik an.

Unter Stroessners Herrschaft „verschwanden“ nach offiziellen Angaben etwa 400 Menschen (Desaparecidos genannt). Unabhängige Schätzungen gehen jedoch von über 3.000 Todesopfern aus. Sehr viele Oppositionelle wurden gefoltert oder inhaftiert, etwa zwei Millionen gingen ins Exil. Daneben unterhielt Stroessner auch gute Kontakte mit anderen südamerikanischen Gewaltregimen und unterstützte Militärputsche in anderen südamerikanischen Ländern. Er kooperierte mit den Diktaturen in Brasilien, Uruguay, Argentinien und Chile beim Informationsaustausch und der Verfolgung linker Aktivisten im Rahmen der Operation Condor. Man hat Stroessner vorgeworfen, für die planmäßige Ausrottung eines großen Teils eines indigenen Indianerstammes, der Aché, verantwortlich gewesen zu sein. Diese wurden gewaltsam in die Mbaracayú-Region vertrieben und aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung sollen bei der Vertreibung und Umsiedlung ca. 38% der Aché an Krankheiten gestorben sein.

Der Bau des Itaipú-Staudammes war eines der größten Projekte unter Stroessners Herrschaft. Es ist nach dem Drei-Schluchten-Damm in China das momentan zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Weil auf diese Weise Strom ins Ausland verkauft werden konnte verbesserte der Staudamm Paraguays wirtschaftliche Lage deutlich. Stroessner unternahm auch viele Infrastrukturprojekte, vor allen Dingen im Straßenbau. Jedem Soldaten, der sich verpflichtete das Land zu bebauen, versprach er zum Ablauf seines Dienstes ein Grundstück von zwanzig Hektar für einen geringen Kaufpreis. Dieses Angebot nahmen über 10.000 Soldaten an.

Am 3. Februar 1989 wurde Stroessner von General Andrés Rodríguez, Oberbefehlshaber der Armee (und Schwiegervater von Stroessners Sohn Hugo Alfredo) durch einen Militärputsch entmachtet. Stroessner floh nach Brasilien, wo er bis zu seinem Tode blieb. Damit entzog er sich einer Anklage wegen Menschenrechtsverletzungen. Auch sein Sohn, der unter dem Verdacht stand, sich bei Grundstücks- und Devisengeschäften unter Ausnutzung seiner familiären Stellung unrechtmäßig bereichert zu haben, war ebenfalls nach Brasilien geflohen. Nach freien Wahlen wurde General Andrés Rodríguez Nachfolger als Präsident von Alfredo Stroessner.

Die im Osten Paraguays gelegene Stadt "Puerto Flor de Lis", die Stroessner zu Ehren in "Puerto Presidente Stroessner" umbenannt worden war, wurde 1989 in "Ciudad del Este" umbenannt. Auch der Flughafen von Asunción, der während seiner Diktatur nach ihm benannt war, wurde später in "Aeropuerto Internacional Silvio Pettirossi" umbenannt.

Stroessner erlag am 16. August 2006 im Alter von 93 Jahren als Folge einer Leistenbruch-Operation einer Lungenentzündung. Beigesetzt wurde er im August 2006 auf einem Friedhof im Süden der brasilianischen Hauptstadt Brasília.

Vom bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (CSU) wurde Stroessner 1973 der Bayerische Verdienstorden verliehen.

Jüngere Geschichte
Am 9. Mai 1993 ging die Colorado-Partei bei den ersten wirklich demokratischen Wahlen seit der Gründung des Staates als Sieger hervor. Juan Carlos Wasmosy Monti wurde neuer Staats- und Regierungschef Paraguays.
Doch auch in jüngster Zeit war die politische Lage in Paraguay von Instabilität geprägt. Im Mai 1996 kam es zu einem landesweiten Generalstreik und blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, nachdem die Oppositionsparteien und Gewerkschaften den Rücktritt von Präsident Juan Carlos Wasmosy Monti forderten, gegen den ein Korruptionsverfahren lief. Gleichzeitig schlug ein Putschversuch von General Lino César Oviedo Silva fehl, woraufhin der General zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Doch nach seinem Amtsantritt 1998 begnadigte der neue Präsident Raúl Cubas Grau General Oviedo Silva. Dies löste eine schwere Krise aus, in der die Oppositionsparteien mit einem Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten drohten. Als im März 1999 der regierungskritische Vizepräsident Luis María Argaña in Asunción erschossen wurde, kam es erneut zu schweren Unruhen und Straßenschlachten zwischen den Anhängern der Regierung und der Opposition. Das Parlament enthob den Präsidenten daraufhin seines Amtes und ernannte Senatspräsident Luis Ángel González Macchi zu dessen provisorischen Nachfolger. Oviedo Silva setzte sich nach Argentinien ab und Ex-Präsident Cubas Grau entzog sich einem Haftbefehl durch eine Flucht nach Brasilien. Ende des Jahres 1999 kam es im Streit zwischen Argentinien und Paraguay über die Auslieferung General Oviedo Silva zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Im Mai 2000 versuchten Anhänger des Generals erfolglos gegen die Regierung zu putschen. Nach seiner Rückkehr am 28. Mai 2004 wurde Oviedo verhaftet und in ein Gefängnis eingeliefert. Nach seiner Freilassung trat er als Präsidentschaftskandidat 2008 für die Unión Nacional de Ciudadanos Éticos an. Ex-Präsident Cuba Grau wurde bereits Anfang 2002 in Paraguay festgenommen.
Neben Oviedo traten bei der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Paraguay 2008 als Präsidentschaftskanditaten Blanca Ovelar für die regierende Partido Colorado an, da der Amtsinhaber Nicanor Duarte Frutos nicht noch einmal antreten durfte, und der ehemalige Bischof von San Pedro Fernando Lugo für das Oppositionsbündnis Alianza Patriótica para el Cambio. Diese Wahl entschied Lugo mit 40,8 Prozent der Stimmen für sich; er distanzierte dabei die ehemalige Bildungsministerin Blanca Ovelar, die Kandidatin der seit 61 Jahren regierenden Colorado-Partei, um zehn Prozentpunkte. Lugo wurde am 15. August 2008 als Staatspräsident vereidigt, Federico Franco von der Partido Radical Liberal Auténtico zum Vizepräsidenten ernannt.
Am 15. Juni 2012 kam es in Curuguaty im Departamento Canindeyú zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Landbesetzern mit mindestens 17 Toten, darunter sechs Polizisten. Lugo wurde für den Zwischenfall politisch verantwortlich gemacht, woraufhin die Abgeordnetenkammer am 21. Juni 2012 eine Amtsenthebungsklage einreichte. Der Senat Paraguays stimmte nur einen Tag später mit 39:4 Stimmen der Amtsenthebung zu.
Lugo akzeptierte seine Absetzung durch das Parlament, betrachtete den Vorgang aber mehr als einen „Staatsstreich“. Lugos Anwälte kündigten an, eine Überprüfung des Amtsenthebungsverfahrens durch den Obersten Gerichtshof Paraguays sowie durch den Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte zu beantragen. Die Organisation Amerikanischer Staaten kritisierte das Amtsenthebungsverfahren als „etwas übereilt“, ein Sprecher der Union Südamerikanischer Nationen betrachtete die Vorgänge als eine Bedrohung der demokratischen Ordnung. Lugos Nachfolger als Staatspräsident wurde der bisherige Vizepräsident Federico Franco. Infolge der Ereignisse um die Absetzung des  Fernando Lugos wurde Paraguay vorübergehend bis zu den Neuwahlen im April 2013 von den anderen Mitgliedern vom Mercosur suspendiert.

Im April 2013 wurde Horacio Cartes mit 45,8 % der Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt. Die Amtsübernahme fand am 15. August 2013 statt. Die reguläre Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Horacio Cartes besuchte die Goethe-Schule (Colegio Goethe, eine deutsche Auslandsschule), das Colegio Internacional und das jesuitische Colegio Cristo Rey in Asunción. Auf Anraten seines Vaters, der das Unternehmen Cessna in Paraguay vertrat, absolvierte er anschließend eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker in Wichita, Kansas.

Ab den 1990er Jahren betätigte sich Cartes als Unternehmer in verschiedenen Branchen und baute ein Firmenimperium aus Banken, Tabak-, Getränke- und Lebensmittelfirmen sowie Handelsunternehmen auf. Zudem ist er Präsident des Fußballclubs Libertad.

Cartes zählt zu den reichsten Menschen Paraguays.

Nach schweren Unruhen sagte Cartes am 17. April 2017 zu, nicht noch einmal bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Er folge damit auch dem Rat des Papstes. Am 28. Mai 2018 trat er als Staatspräsident zurück. Ihm folgte als Präsidentin Alicia Beatriz Pucheta de Correa. Am 26. Juni 2018 erklärte er in einem Brief an Fernando Lugo, den Präsidenten des Nationalkongresses, seinen Rücktritt vom Rücktritt.

Seit dem 15. August 2018 ist Mario Abdo Benítez im Amt des Staatspräsidenten.

Er verwendet den Vornamen Marito zwecks Abgrenzung von seinem gleichnamigen Vater.
Seinen 1989 angetretenen Dienst in den Streitkräften Paraguays schloss er mit dem Rang eines Unterleutnants der Reserve der Luftstreitkräfte ab. Danach absolvierte er ein Marketing-Studium an der Teikyo Post University in Waterbury (Connecticut) in den USA.

Mario Abdo stammt aus einer traditionell politisch aktiven Familie; sein Vater war zeitweise Privatsekretär des ehemaligen Diktators Alfredo Stroessner. Gegenüber der paraguayischen Presse erwähnte Abdo, dass Stroessner zwar viel für das Land geleistet hätte, distanzierte sich jedoch von den damals begangenen Menschenrechtsverletzungen.

Seine eigene politische Karriere begann im Jahre 2005 innerhalb der Colorado-Partei. Seine bisher wichtigsten politischen Ämter waren das des Vizepräsidenten seiner Partei, sowie von 2015 bis 2016 das des Präsidenten des paraguayischen Senats. Im Dezember 2017 setzte er sich bei den parteiinternen Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur mit 51,0 % der Stimmen gegen den vom bisherigen Staatspräsidenten Horacio Cartes favorisierten ehemaligen Finanzminister Santiago Peña durch, der 43,2 % der Stimmen erhielt. Bei der Präsidentschaftswahl am 22. April 2018 setzte er sich mit 46,5 % der Stimmen gegen Efraín Alegre durch, der auf 42,7 % kam. Am 15. August 2018 übernahm Abdo das Amt von seinem Vorgänger Horacio Cartes.

Mario Abdo Benítez

Quell: Wikipedia, Paraguay-Info